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Was ist Linedance?

Line Dance ist eine eigenständige Tanzform, bei der die Tänzerinnen und Tänzer neben- bzw. hintereinander in Reihen (in line) tanzen - zu Musik verschiedener Stilrichtungen. Diese Art zu tanzen erfordert keinen Partner, die Gruppe ist der Partner. Line Dance wird oft mit Squaredance verwechselt. Was vielleicht daher rührt, dass die Beteiligten dieser beidenTanzarten meist in Gruppen auftauchen, während beim sogenannten Standardtanz die Paare überwiegend für sich sind. Square Dance ist ein Volkstanz aus den USA. Viele nehmen an, dass die Wurzeln des Line Dance ebenfalls in der Folklore liegen. Daher auch teilweise die Bezeichnung Country-Tanz. Ursprünglich wurde wirklich nur nach Country-Musik getanzt, aber es hat sich erwiesen, dass diese Tanzform zu nahezu jeder Musikrichtung passt. Sicherlich gewöhnungsbedürftig zu Operngesängen, aber auch das scheint manchen zu gefallen (Beispiel: "Trust me" ). Neben der Country-Musik ist als Begleitung immer häufiger Pop-Musik gefragt. Kaum erscheint ein neuer Ohrwurm, gibt es auch schon einen Tanz dazu. Beim größten deutschsprachigen Tanzarchiv von den "Bald Eagle Linedancer" aus Rosenheim gibt es z.B. aktuell 19.000 (26.04.2017) Tanzbeschreibungen. Bei "Get in line" vom Line Dance TSV München-Ost, wo wir viele unserer Tänze entnehmen, kann man heute (25.04.2017) 9480 Beschreibungen finden. In der englischsprachigen Datenbank "kick it" sind 89.999  Beschreibungen aufgeführt, von 14.704 Choreografen! 

Quelle 2011 2015/2016 2017
"Bald Eagle Linedancer" 13.444 18.000 19.000
"Get in line"     4.730    8.486    9.480
"kick it" (engl.)  ? 56.244 89.999
"CopperKnob" (engl.)  ? ? 83.389

 Tab. 1: Stand Anzahl Tanzbeschreibungen verschiedener Quellen

Im Gegensatz zum Squaredance, wo vier Paare miteinander tanzen, die den Anweisungen eines Callers folgen, der sagt wo es lang geht, muss beim Line Dance jeder Tänzer selbst bestimmte Schrittfolgen beherrschen, um einen Tanz zu Ende zu bringen. Es gibt unterschiedliche Schwierigkeitsgrade: z.B. Beginner, Novice, Intermediate, Advanced.

Neben dem reinen Linientanz, bei dem die reihenförmig angeordneten Tänzer in ein und dieselbe Richtung blicken, gibt es auch Contratänze (hier stehen sich mindestens 2 Reihen gegenüber) und Partnertänze (einfache Partnertänze - auf der Stelle tanzend; Circletänze - kreisförmig getanzt entgegen dem Uhrzeigersinn um die Mitte der Tanzfläche herum).


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Tanzaufbau/Choreografie

Die Tänze setzen sich aus verschiedenen Schrittfolgen  (eine Folge besteht meist aus 8 Schritten (engl. steps)) und Drehungen zusammen. Die Drehungen bewirken, dass man am oft am Ende der Schrittfolge in eine andere Richtung blickt, also auf eine andere Wand (engl. wall). Die Wände sind das eigentliche Koordinatensystem. Die Drehrichtung orientiert sich am Ziffernblatt einer analogen ;-) Uhr: Tanzbeginn ist 12:00 Uhr und Ende möglichst auch. Die Zeiten 3, 6, 9 und 12 Uhr werden ebenfalls als Wände bezeichnet. Es gibt verschiedene Schrittarten/-kombinationen, z.B. Shuffle, Grapevine, Lock step.

Die Choreografie ist auf die Musiktitel zugeschnitten. Damit die Schrittfolgen gut zur Musik der Titel passen, werden verschiedene Schrittfolgen zu Sequenzen zusammengefasst, die entsprechend wiederholt werden, bis der Titel zu Ende ist. Manchmal ist auch keine komplizierte Aufteilung in Sequenzen erforderlich, um der Musik zu folgen, sondern der Tanz wird einfach mittendrin nochmal von vorn begonnen. Das nennt man restart (Neustart nach Abbruch). (Beispiel: It hurts) Damit der Tanz möglichst auch bei 12:00 Uhr endet, sind Variationen in der Schlusssequenz üblich.

Man muss unterscheiden zwischen Musiktitel und Tanztitel bzw. Choreografie. Da gibt es verschiedene Varianten des Zusammenspiels:


(1) ein Musiktitel hat genau eine eigene Choreografie
oder
(2) ein Musiktitel hat meherere Choreografien.
Und umgekehrt:
(3) eine Choreografie passt zu mehreren Musiktiteln.

Die günstigste Variante ist dabei (3): Wenn eine Choreo zu mehreren Musiktiteln passt, kann man das Gelernte mehrfach anwenden und muss nicht ewig nach der gleichen Musik tanzen. Denn wenn Monotonie eintritt, fängt man irgendwann an, sich zu langweilen und driftet gedanklich ab, was im schlimmsten Fall zu Kollisionen mit anderen Tänzern führt.

Wenn es zu einem Musiktitel nur eine einzige Choreo gibt (1) - sieht es auf der Tanzfläche am besten aus, wenn man es mit Anfängern zu tun hat. Dann kann man davon ausgehen, dass auf der Fläche geordnete Verhältnisse herrschen. Gibt es verschiedene Möglichkeiten, nach einer Musik zu tanzen, werden auf der Fläche Gruppen gebildet, in denen sich Tänzer zusammenschließen, die das Gleiche tanzen. Was ich da als Maximum bisher gesehen habe, waren 4 Gruppen auf einer Fläche von 16 m². (Da wäre dann von Seiten des DJ ein Einspruch schön gewesen, dass man sich einigen solle, der kam aber nicht.)

Nicht so geordnet sieht es auch in folgenden Fällen aus:

- Fortgeschrittene oder sportlich besonders fitte Tänzer neigen dazu, künstliche Schwierigkeiten in die Choreografie einzubauen, z.B. Drehungen, wo der Choreograf keine vorgesehen hatte oder besonders raumgreifende Sprünge oder Armbewegungen. Das stört dann das Gesamtbild und ist in gewissem Maße auch rücksichtslos denen gegenüber, die das nicht können bzw. sich gerade mühsam die choreografiegetreue Tanzweise angeeignet haben.

- Auch nicht optimal, weil auf der Tanzfläche selten durchgängig machbar, sind Änderungen, die das Gegenteil bewirken sollen, nämlich den vorgegebenen Schwierigkeitsgrad durch das Weglassen von Drehungen und Sprüngen zu senken. Diese Methode wird von Leuten angewandt, die körperlich gehandicapt sind (z. B. durch Rückenprobleme, Schwindelkeit) oder die halt schon etwas reicher an Jahren sind und sich nicht mehr so trauen. Line Dance unterliegt im Normalfall keinen Altersbeschränkungen und auch keinen gesteigerten körperlichen Anforderungen - wichtig sind etwas Ausdauer und Spaß an der Sache -  ein "leichterer" Tanzstil wird in den meisten Gruppen toleriert und z.T. schon durch den Tanzlehrer als Option gelehrt.

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Kleidung

Während beim Sqaredance viel Wert auf die Garderobe gelegt wird, speziell die Damen mit ihren Petticoats und Hüten auffallen, die Herren mit langärmligen Westernhemden und langen Hosen (auch bei größter Hitze), treten Linedancer meist eher zurückhaltend in Erscheinung. Es gibt keine Vorschriften.

  • Bei Country-Veranstaltungen bietet es sich an, mit Cowboyhut, Bolotie (Cowboykrawatte/Schnürsenkelkrawatte) und Stiefeln zu erscheinen, wenn man denn welche hat und diese ausführen möchte.
  •  Bei Linedanceveranstaltungen, die nicht ausdrücklich den Titel Country tragen, ist das eher unüblich. Wenn man stark schwitzt, ist aber auch hier ein Tuch oder ein Fächer hilfreich.

Das Schuhwerk spielt eine große Rolle. Bis man für sich was optimales gefunden hat, kann es ganz schön dauern. Linedancer sind ein sehr mobiles Völkchen und im Laufe der Zeit reichen vielen die Veranstaltungen in der eigenen Region nicht mehr aus. Da der Tanzboden sehr unterschiedliche Qualitäten hat - Holzdielen, Laminat, PVC, Beton - bei zum ersten Mal aufzusuchenden Örtlichkeiten weiß man meist nicht, was einen erwartet. Wer auf Nummer sicher gehen und nicht auf die Nase fallen will wegen zu glatter oder zu stumpfer Schuhsohlen, hat zumindest ein zweites Paar dabei. High Heels sind wegen der Stolpergefahr und der zerstörerischen Wirkung auf den Tanzboden in jedem Falle unangebracht.

Bei Autritten gibt es auch aufwendigere Kostümierungen, wenn sich die Gruppe entschließt, für ein einheitliches Gesamtbild tiefer in die Tasche zu greifen oder sogar auf Sponsoren zurückgreifen kann. Aber auch hier reichen für gewöhnlich Jeans, kariertes Hemd bzw. Bluse, manchmal Cowboyhut, denn im Vordergrund sollte doch das Tanzen selbst stehen.

Im weiteren Sinne gehört ja auch das Gesicht zur Kleidung - hier mag manchem auffallen, dass Linedancer oft etwas angestrengt gucken und dadurch nicht recht vermitteln können, dass ihnen die Sache Spaß macht. Das liegt daran, dass es sehr anstrengend ist, sich die Schrittfolgen der vielen Tänze einzuprägen und speziell am Beginn der Tanzlaufbahn muss man sich sehr konzentrieren und hat ganz einfach Angst, was falsch zu machen. Da helfen auch die nervigen Schilder nicht viel, die manche Tanzlehrer hochhalten, mit dem Befehl, endlich zu lächeln.


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Organisation und Kosten

Line Dance ist international, in fast allen Ländern wird er praktiziert. Aufgrund des gemeinsamen Hobbys verstehen sich die Tänzer sehr gut untereinander. Der Tanz ist die Sprache, die jeder versteht. Alle wollen Spaß haben und gemeinsam neue Tänze lernen. Linedancer sind meist organisiert, weil das Lernen in der Gruppe nun mal am besten klappt und mehr Spaß macht, als sich bei Youtube die Lernvideos anzuschauen und abzusehen. Manchmal sind sie organisiert als lose Interessengemeinschaft, als e.V. oder im Sportverein. Zum Teil werden Kurse von der Volkshochschule und von Tanzschulen angeboten. Der Unterricht erfolgt von ausgebildeten Tanzlehrern und manchmal auch "nur" von Tänzern, denen es einfach Spaß macht, ihr Wissen und Können weiter zu vermitteln.

Es gibt auch Möglichkeiten, die Kräfte zu messen, bei Wettkämpfen und Festivals, als Gruppe oder Einzelkämpfer, mit der Aussicht auf Pokale und Sportabzeichen.

Manche sehen den Line Dance als Möglichkeit, mit netten Leuten zusammen zu kommen und sich auch über andere Themen auszutauschen. Andere wiederum finden es toll, bei Auftritten ihr Können zu zeigen. 


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